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Abschließende Gedanken zu Snape
(hochgeladen: im Mai 2006; aktualisiert mit weiteren Fragen zu Snape: 01.04.07)


Was für ein unerschöpfliches Thema - zumindest bis zum Erscheinen von Buch 7.

Frau Rowling sagte in einem ihrer zahllosen Interviews, daß sie nicht versteht, daß noch keiner dahinter gekommen ist, warum Dumbledore Snape vertraut. Sie meinte, alle Hinweise ständen in den Büchern, man müsse sie nur genau lesen.

Klasse, dachte ich und begann die Bücher unter diesem Aspekt erneut durchzulesen. Und in der Tat ist es interessant, die Bücher mit dem Stand es Wissens von 6 Büchern noch einmal durchzulesen. Auch machte ich mir die Mühe/Freude die Bücher (bisher nur ersten drei, doch die anderen werde ich auch noch schaffen) im Original durchzulesen. - Tolle Sache, empfehlenswert in jedem Fall, da man doch feststellen muß, daß der Originalton in den Büchern teilweise ein anderer ist, als es in den deutschen Übersetzungen herauskommt und manch Dinge schlichtweg falsch übersetzt sind.

Nachdem ich nun alle Bücher erneut durchgelesen habe, bin ich zur Überzeugung gekommen, daß sich das Geheimnis um Snape in dem Moment auflöst, in dem man dahinter kommt, was es ist/war, womit er Dumbledores Vertrauen gewonnen hat.

Ich für meinen Teil habe das Rätsel zu meiner Zufriedenheit gelöst. Ich glaube dahintergekommen zu sein, was es ist, das Dumbledores Vertrauen in Snape gerechtfertigt. Daher weiß ich, daß Snape auf gar keinen Fall mehr ein Todesser ist. Denn das, was Snape gemacht hat, verschließt ihm den Weg zurück zu Voldemort - und Gnade ihm Gott, sollte Voldemort jemals dahinter kommen.
Es erklärt ebenso, warum Harry nicht wissen darf, was es ist, womit sich Snape Dumbledores Vertrauen verdient hat. Man bemerkt ja immer wieder das Zögern, wenn Harry Dumbledore darauf anspricht. Als ob dieser mit sich ringen würde, es Harry zu sagen, es aber dann doch nicht tut. Ständig habe ich mich gefragt, was es ist, daß Dumbledore Harry nicht sagen will. Jetzt, nachdem ich das Rätsel für mich gelöst habe, ist es sonnenklar, warum Harry es nicht wissen darf. Voldemort kann in Harrys Gedächtnis eindringen. Was Harry weiß, weiß unter Umständen auch der Dunkle Lord. Für Snape hätte das tödliche Konsequenzen. Es ist interessant festzustellen, wie sich mit der Beantwortung einer der Schlüsselfragen, viele Rätsel von selbst auflösen und das ganze Konzept der Pottersaga Form annimmt. Andere Fragen habe ich noch nicht für mich befriedigend lösen können, doch ich habe Vermutungen und arbeite daran, diese durchzudenken. Auf diese werde ich vielleicht demnächst näher eingehen. Es könnte natürlich auch sein, daß ich mit meiner Erkenntnis Snape betreffend völlig falsch liege, aber ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen, weil sich viel zuviel Fragen einfach von selbst beantworten, sobald man das Ergebnis dieses Lösungskonzepts bis zur letzten Konsequenz durchdenkt.

Harry - ich muß es leider sagen - ist ein Idiot! Alle sagen ihm, er soll Okklumentik lernen, doch Harry tut es nicht. Würde er lernen, seine Gedanken und sein Bewußtsein Voldemort gegenüber zu verschließen, könnte man ihn am Spiel der Erwachsenen teilnehmen lassen. Man könnte ihn in gewisse Dinge einweihen und er würde verstehen, warum Snape sein - zwar nicht wohlwollend freundlich zugeneigter, aber nichtsdestotrotz - Verbündeter ist. Würde Harry die Wahrheit kennen, könnte er in Snape nicht länger seinen persönlichen Feind sehen und vielleicht würde er sogar versuchen, sich dessen Respekt zu verdienen und ihm gleichzeitig mehr Respekt entgegen bringen. Denn Respekt verdient Snape ohne Zweifel. - Aber, ehrlich gesagt, glaube ich nicht, daß Harry jemals Snapes Respekt erringen wird ;-). Dafür hat James Potter einfach zu viel Scheiß gebaut - besonders im Licht der Erkenntnis, die ich gefunden zu haben glaube. Inzwischen verstehe ich nur zu gut, warum Snape James Potter haßt.

Tatsächlich bin ich jetzt in der selben Lage, in der auch schon Dumbledore steckte. Würde ich Snapes Geheimnis hier verraten, wären all die schönen Spekulationen über unsern Professor beendet, was eigentlich doch das Schönste an der ganzen Sache ist. Darum halte ich den Mund, selbst wenn mich das in diesem Zusammenhang vermutlich ziemlich unglaubwürdig erscheinen läßt (gaggern und kein Ei legen). - Aber was solls - damit kann ich leben. Es macht außerdem auch wahnsinnig Freude, das Rätsel für sich selbst zu lösen und dieses Aha-Erlebnis zu haben. Die Lösung ist so einfach, daß man gar nicht verstehen kann, warum man es nicht vorher geblickt hat. Und gleichzeitig erkennt man die Genialität, mit der Frau Rowling das Rätsel um die Potters, Voldemort, Snape und Dumbledore aufgebaut hat.

Ich möchte noch folgende Fragen aufwerfen, über die Sie sich Gedanken machen sollten, wenn Sie Zweifel an Snapes Loyalität haben oder sich auch auf die Suche nach Antworten machen wollen:
  • Warum weiß niemand außer Snape und Dumbledore (DD) über deren beider Geheimnis Bescheid? Wie brisant muß es sein, daß Dumbledore es jedem anderen gegenüber dermaßen unter Verschluß hält?
  • Würde ein wahrer Gefolgsmann des Dunklen Lords eine wehrlose Beute, wie Harry sie bei Snapes Flucht darstellte, zurücklassen? Ein einfacher Schockzauber hätte genügt, um Harry zu Voldemort mitzunehmen. Ein Imperius Fluch um ihm zu befehlen mitzukommen. Stattdessen hält Snape Harry auf. Hindert ihn daran, ihm und den Todessern zu folgen. Wehrt lediglich dessen Flüche ab, ohne ihn dabei ernsthaft anzugreifen. Hebt den Cruciatus Fluch auf, als einer der Todesser ihn damit belegt.
  • Wenn Snape tatsächlich Voldemorts Gefolgsmann wäre, warum weiß Voldemort bis zum Ende des sechsten Buches anscheinend immer noch nicht darüber Bescheid, daß auf die Horkruxe Jagd gemacht wird? Dumbledore wird spätestens dann Snape die Wahrheit gesagt haben müssen, als dieser ihn wegen dem Erbring Slytherins behandelt hatte. Snape sagt während dem Gespräch mit Bellatrix Lestrage nur, daß Dumbledore sich vor kurzem eine schwere Verletzung zugezogen hat und geht nicht weiter darauf ein. Da er lt. DD diesen behandelt hatte, hätte er durchaus genauer werden können und es nicht auch noch so herabspielen müssen. Aber natürlich könnte es auch sein, daß Snape über die Horkruxe nicht Bescheid weiß, und daß DD Snape nur gesagt hat, daß der Ring verflucht war *Zweifel*.
  • Der Streit zwischen Dumbledore und Snape, welcher von Hagrid mitangehört wurde. - Wieder einmal ein hervorragendes Täuschungsmanöver von Frau Rowling. - Ich liebe diese Frau und das ganz besonders das sechste Buch.
So wie Hagrid es erzählt, klingt es, als ob Snape nicht mehr mitmachen und aussteigen will. Und vermutlich war dem auch so, wenn auch aus anderen Gründen, als uns hier glauben gemacht werden soll.
Ich denke, der Unbrechbare Schwur hatte ein echtes Problem aufgeworfen. Als DD und Snape schließlich erkannten, womit Draco beauftragt wurde, schlug Snape möglicherweise vor, die Farce mit Draco endlich zu beenden. Schließlich wollte Snape es nicht so weit kommen lassen, in die Zwickmühle zu geraten und Dracos Arbeit beenden zu müssen. Dumbledore wußte mit Sicherheit vom Unbrechbaren Schwur und daß Snape würde den Job erledigen müssen, sollte es zu einem Showdown kommen, da dieser kaum sterben wollte. Tatsächlich gab es nur diese zwei Möglichkeiten:
Draco frühzeitig auffliegen lassen und zu riskieren, daß dieser und seine Familie von den Todessern ermordet würde.
Draco weitermachen lassen und Snape auf ihn ansetzten um herauszufinden, was er vor hatte, damit Snape ihn zum gegebenen Zeitpunkt sabotieren konnte.
Dumbledore entschied sich für die letzte Möglichkeit, entgegen dem Willen Snapes. Snape wollte aussteigen, wollte nicht länger mitmachen, da dieser letzte Plan für ihn viel zuviel Möglichkeiten des Scheiterns in sich trug. Ein Scheitern, welches damit enden würden, daß entweder Draco zum Mörder wurde oder er Dumbledore am Ende würden töten müssen. Das erklärt übrigens auch DD seltsamen Satz auf dem Turm „Nein, Draco. Es ist meine Gnade und nicht Ihre, die jetzt entscheidend ist." Dumbledore war bereit für Draco zu sterben, zudem wollte er vermeiden, daß dieser zu seinem Mörder wurde.

Eine weitere Möglichkeit diesen Streit betreffend ist folgende:
Vielleicht wollte Snape nicht zu den Todessern "überlaufen". Vielleicht bezog sich dieser Streit einzig und allein auf dieses Thema, da DD doch lt. Hagrid zu Snape sagt, dieser hätte sich dazu bereiterklärt und damit basta (zu was auch immer). Auch das wäre eine Erklärung zu dem Haß in Snapes Gesicht, als dieser DD tötet. Denn nun blieb Snape kaum noch etwas anderes übrig, als zu den Todessern überzulaufen. DD hatte insoweit sein Ziel erreicht und Snape in eine aussichtslose Situation geführt - etwas, das Snape mit tiefstem Widerwillen erfüllen mußte. Dieser Mann haßt es, sich als "Bauer" benutzen zu lassen.
  • Warum hätte Dumbledore um sein Leben flehen sollen? Ein Mann, der schon im ersten Buch sagt, daß der Tod für den gut vorbereiteten Verstand nur das nächste große Abenteuer ist, der immer wieder betont, daß es schlimmeres als den Tod gibt, warum sollte dieser den Tod fürchten? Ebenso ist unklar, ob Dumbledore nicht schon im Sterben lag, als Harry und er auf dem Turm ankamen.
Meiner Meinung nach war DD zu diesem Zeitpunkt bereits dem Tod geweiht. Der Trank Voldemorts war - wie DD selbst sagte - kein Heiltrank. Warum DD ausgerechnet Snape noch vor seinem Tod sehen wollte, wäre interessant zu wissen, ich denke Buch 7 wird die Antwort darauf geben. Ich glaube nicht, daß Snape DD hätte retten können. Das waren allein Harrys Hoffnung und dessen Gedanken, mit denen uns Frau Rowling immer so gerne auf die falsche Fährte lockt.
  • War es Zufall oder schlimmer noch eine Fehlentscheidung, daß Dumbledore ausgerechnet im sechsten Schuljahr zustimmte, Snape zum Lehrer zur Verteidigung gegen die Dunklen Künste zu machen? Mal ehrlich, glaubt das auch nur ein einziger? Hält irgendwer Dumbledore für so dämlich, das zu tun, wo dieser doch wußte, daß keiner der diese Stelle inne hat, länger als ein Jahr in Hogwarts bleibt. Schließlich hatte er das Harry bei einem der Rückblenden auf Voldemorts Vergangenheit klipp und klar gesagt. Für mich war bereits zum Zeitpunkt der Bekanntgabe der Stellenbesetzung klar, daß DD und Snape beschlossen hatten, daß unser zwielichtiger Professor Hogwarts verlassen würde, und zwar in Richtung Voldemort. Zumal bekannt war, daß DD immer befürchtet hatte, daß die Beschäftigung mit den Dunklen Künsten Snape wieder in Voldemorts Arme treiben würde. - Hätte es eine bessere Ausrede für Snape geben können zu Voldemort zurückzukehren?
An dieser Stelle verweise ich noch mal auf die andere Vermutung von mir, den Streit DD mit Snape betreffend. Ich denke bei der Stellenbesetzung war beabsichtigt, daß Snape zu Voldemort überwechselt. Snape hatte zwischenzeitlich vielleicht kalte Füße bekommen und wollte das nicht mehr (kein Wunder bei seinem Geheimnis).
  • Und hier noch ein paar Sachen, über die es sich zu Nachdenken lohnt:
Snape sagt während ihrem „Duell" am Ende des Buches zu Harry, daß er seine Flüche wieder und wieder abwehren wird, bis dieser lernt, seinen Mund zu halten und seine Gedanken zu verschließen. Für mich ist das nichts weiteres, als der berühmte Wink mit dem Zaunpfahl, der Harry endlich klar machen soll, wie wichtig es für ihn ist, Okklumentik zu lernen.
Tante Petunia, die Magie und Snape:
Sie spricht ja immer von „dem schrecklichen Jungen" - und unser Harry glaubt, es handelt sich dabei um seinen Vater. Totsicher nicht! Ich bin mir annähernd sicher, daß der schreckliche Junge Snape ist, der Lily vor James warnt (oder sie vielleicht auch erpressen will?) und mit den Dementoren als Konsequenz droht, wenn die Sache mit James (und seinen krummen Geschäften?) herauskommt und er in Askaban landet - wollen wir wetten?

Und jetzt wird's interessant: Warum macht sich Snape die Mühe, zu Lily nachhause zu kommen? In ein Muggelhaus? Er, der angehende Todesser. Was ist damals dort vorgefallen?
(Wie wäre es mit den Stichworten: Fluchbrecher/Vermögen etc ...)


Snape und Lily
(weil immerwieder mal danach gefagt wird):
Nein, ich glaube nicht, daß Lily für Snape mehr übrig hatte als vielleicht Respekt (vor seinen Fähigkeiten) und freundlichem Mitgefühl. Vielleicht hatte Snape für Lily mehr übrig, doch seine Nähe zu den Todessern und seine Angehörigkeit zum Haus Slytherin machten es ihm unmöglich, dazu zu stehen. Es wäre in etwa so, als würde sich ein Nazi in eine Jüdin verlieben. - Extrem schlechte Karten. Und daß Snape Todesser war, daran hat Frau Rowling nie einen Zweifel gelassen.
Manchmal hab ich mir überlegt, daß Snape die Erinnerung (an seine Demütigung durch James), die Harry in Buch 5 gesehen hatte, nicht wegen den Maraudern so peinlich war, sondern wegen dem, was er zu Lily gesagt hatte. Wäre das nicht eine hinreißend schöne Erklärung? Wir denken doch alle, das Snape wegen der damaligen erfahrenen Demütigung so ausgerastet war. Aber was wäre, wenn Snape Harry gegenüber so ausrastete, weil er einst Lily (die er möglicherweise verehrte) so verletzte bzw. beleidigte? Vielleicht ist es das, was ihm an dieser Erinnerung so unerträglich ist? Wäre das nicht wirklich romantisch ...
  • Übrigens: Es heißt immer, daß die Leute aus dem Phönixorden annehmen, daß DD etwas über Snape weiß, das dessen Vertrauen in diesen zwiespältigen Charakter rechtfertigen würde. *Räusper* Schon mal darüber nachgedacht, daß eventuell Snape etwas über DD weiß, was kein anderer weiß und was er nicht weiterverraten hat, da es DD kompromittieren würde ... Vielleicht beruht ja DD Vertrauen in Snape nur darauf? (OK, das war jetzt gemein ;-))
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Kommentar zum Essay
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