Darkchilds "Herz der Dunkelheit "

Das Herz der Dunkelheit

Fortsetzung, Kapitel 4.01

Kapitel 4: Die Rückkehr


„Hier!"
Snape drückte Hermine eine Einkaufstüte in die Hand. Verwirrt sah sie ihn an.
„Draco hat Ihnen diese Sachen besorgt. Die sollten besser sein, das der Dreck, den Wurmschwanz mitgebracht hatte - zumindest hoffe ich das. Er ist in ihrem Alter und kennt sich eher mit so etwas aus. Denn schließlich können Sie in Hogwarts nicht in meinen Sachen auftauchen."
„Nicht?" fragte sie verstört. Die Vorstellung, auf ihre liebgewonnene schwarze Kleidung zu verzichten, war so irritierend, als hätte Snape sie aufgefordert, ihre Haut hier zurückzulassen.
„Aber -"
„Keine Widerrede, Gryffindor. Sie werden nicht in meiner Kleidung nach Hogwarts gehen!"
Sie sah in Snape Gesicht und erkannte, daß er in diesem Punkt nicht bereit war, mit sich verhandeln zu lassen.
„Aber die Kleidung gibt mir Schutz und Sicherheit!" appellierte sie an Snapes Logik.
Seine Hände legten sich fest um ihre Schultern, er beugte sich zu ihr herunter, so das sich ihre Gesichter auf gleicher Höhe befanden.
„Gryffindor, jetzt beruhigen Sie sich wieder, und hören Sie mir zu:
Sie gehen nach Hogwarts zurück und nicht zu den Todessern! Meine Kleidung wäre in Hogwarts völlig unangebracht. Und überhaupt - sind Sie nicht froh, wieder Sachen anziehen zu können, die Ihrem Alter entsprechen?"
„Meinem ... meinem ... WAS?" rief sie vollends verwirrt. „Was soll denn das heißen? Meinem Alter entsprechen? Sie tragen doch auch diese Kleidung!"
„Ja! Aber ich bin auch zwanzig Jahre älter als Sie, Gryffindor!"
„Na ja ... na ja ... und was? Zwanzig Jahre, ich meine - pfff! Also wirklich! Wie alt macht Sie das eigentlich, hmm - 38?
Na klasse, also danke auch für diesen Hinweis! Wie konnte ich nur vergessen, daß sie so alt sind? Warum ... warum-bestellen-Sie-sich-nicht-gleich-einen-Platz-auf-dem-Friedhof - SIR?!"
Wütend riß sie sich von Snape los, griff nach der Tüte und knallte die Küchentür hinter sich zu. Er hörte Hermine die Treppe hochstapfen. Wütend und laut, seine Stimme imitierend und vor sich herbrummend :
'Aber ich bin auch zwanzig Jahre älter als Sie, Gryffindor' ... Pfff! ... was soll denn das wieder heißen? ... 'Die Ihrem Alter entsprechen' ... tzzz - verdammt!"
Und mit diesen Worten knallte die Tür zu ihrem Zimmer zu.
Der Professor schaute komplett verwirrt den Schrank an, der harmlos und unbeteiligt tat.
„Muß ich das verstehen?" fragte Snape den Schrank.
„Nö ..." antwortete dieser nur, verstand aber sehr wohl, was gerade geschehen war.
Schade nur, daß Severus es nicht verstand.

Es fiel Hermine schwer, sich wieder abzuregen. Sie wußte nicht einmal, warum sie sich so aufgeregt hatte. Sie zog ihre - oh nein, Professor Snapes, Kleider aus, pfefferte sie immer noch wütend in die Ecke und stülpte die Tüte um.
Toll, dachte sie. Draco Malfoy hatte dem Schlammblut Granger Klamotten besorgt. Das konnte ja nur in extremer Geschmacklosigkeit enden. Wenn sie suchte, würde sie vielleicht noch Wurmschwanzs scheußliche Erotikdessous finden. Die würden vermutlich besser sein, als alles, was Malfoy ihr besorgt hatte. Sie warf einen Blick auf den Kleiderstapel und wurde überrascht.
Woher wußte Malfoy was ...?
Hermine hob die Jeans auf, sah auf das Tanktop, die Kaputzenjacke, die Turnschuhe und Socken ...
Es waren Muggelkleider. Dennoch sah alles gut aus, war modisch, paßte zusammen. Die Preisetiketten waren sogar noch dran; die Kleidung war neu.
Woher wußte Malfoy, was Muggel trugen? Ausgerechnet Malfoy. Wo Zauberer doch nie eine Ahnung hatten, wie man sich als Muggel richtig anzog. Und Malfoy war ein Reinblutzauberer. Er sollte so etwas erst recht nicht wissen!
Hermine starrte auf die Kleidung und traute dem Ganzen nicht. Hatte Malfoy die Kleidung vielleicht verzaubert? Würde sie sich in Fetzen auflösen, sobald sie sie trug? Aber vielleicht hatte er sie auch mit Weasleys Laß jucken! Juckpulver verseucht?
Sie richtete ihren Zauberstab auf den Kleiderstapel, sprach: „Specialis revelio!"
Ein Lichtstrahl hüllte die Kleidung ein. Absolut gar nichts geschah.
Die Sachen waren sauber, erkannte sie, keine versteckten Tricks.
Hermine warf einem sehnsuchtsvollen Blick auf die in die Ecke gefeuerten schwarzen Sachen und fing an 'sich ihrem Alter entsprechend' anzuziehen ... tztztz!
Dann hob sie die schwarzen Kleider auf und hängte sie neben ihren Hogwartsumhang. Sie strich mit der Hand über den schwarzen Überrock, das Hemd, die Hose.
Es war wie ein Abschiednehmen. Warum fiel es ihr so schwer, auf die Kleidung zu verzichten? War doch irgendwie lächerlich ... aber andererseits ... warum sie zurücklassen? Warum sie nicht einfach schrumpfen, bis auf Puppengröße einlaufen lassen und einfach mitnehmen ...
Hermine grinste.
Er mußte es ja nicht wissen, oder? Außerdem war die Kleidung ein wichtiger Schutz. Für den Kampf. Genau!
Und sie würde sie natürlich nicht in Hogwarts tragen. Der Professor hatte recht.
Sie konnte schlecht in Hogwarts wie der Ableger einer übergroßen Fledermaus herumlaufen. Das wäre alles andere als vertrauenerweckend und mit Sicherheit nicht hilfreich bei ihrem Auftrag.
Ja, ja, ja! Natürlich hatte er recht, dachte sie ernüchtert. Aber es war nur so überraschend gekommen. Sie mochte nun mal die Kleidung, es war, als würde der Professor sie schützend in seinen Armen halten.
Hermines Augen wurden bei diesem Gedanken riesengroß - also das hatte sie mit Sicherheit gerade nicht gedacht.
Sie legte den Kopf schief. Oder doch? Dann schüttelte sie energisch den Kopf: Nein, hatte sie definitiv nicht!
(Zwanzig Jahre, tzz!)
Sie ging zurück in die Küche, um sich zu entschuldigen. Was war nur in sie gefahren?

***

Da stand also diese viel zu junge Frau in seiner Küche und entschuldigte sich bei ihm.
Sie sah ganz genau wie diese hab-ichs-nicht-von-Anfang-an-gesagt Hermine Granger aus, die ihn während ihrer Zusammenarbeit in Hogwarts bisweilen den letzten Nerv geraubt - und sich dennoch seinen widerwilligen Respekt verdient hatte.
Aber gleichzeitig sah sie wie Gryffindor aus. Diese ganz erstaunliche junge Frau, mit der er die letzten Monate verbracht hatte (zugegebenermaßen nicht ganz freiwillig).
Vor seinen Augen hatte sich die junge Frau in eine Kriegerin von außergewöhnlichem Können verwandelt. Und wie um dem Ganzen den Gipfel aufzusetzen, hatte sie sich jetzt als Hermine Granger verkleidete. Was Kleider bewirken konnten, dachte der Professor irritiert und stellte fest, daß ihn ihr Outfit viel zu sehr ablenkte.
„Gryffindor."
„Sir?"
„Sie könnten mir einen Gefallen tun."
„Ja?"
„So lange sie noch bei mir sind, könnten sie ... vielleicht doch einfach meine Kleidung tragen."
Kaum hatte er es ausgesprochen, war Hermine auch schon aus der Küche und polterte eilig die Treppe zu ihrem Zimmer hoch.
Nicht einmal drei Minuten später stand sie im vertrauten Schwarz vor ihm und sie beide fühlten sich sichtlich erleichtert.

„Ähm - nun gut", sagte der Professor, seine schwarzen Augen ruhten wieder mit Wohlgefallen auf ihr. Hermine strahlte ihn glücklich an.
„Morgen kehren Sie nach Hogwarts zurück."
Das Strahlen verblaßte. Sie setzte sich ernüchtert an den Tisch.
„Oh", sagte sie leise, klang wie ein Luftballon, dem gerade die Luft ausging.
„Ich hab keine Ahnung, wie ich daß ohne Sie durchstehen soll, Professor Snape", sagte sie leise. „Diese Sache - sie ist so groß. Es macht mir Angst."
Snape setzte sich zu ihr.
„Das kann ich nur zu gut verstehen, Gryffindor. Aber ich habe Vertrauen in Sie und ihre Fähigkeiten. Sie haben in den letzten Monaten so viel gelernt ... mehr als die meisten in all ihren sieben Jahren in Hogwarts, mehr als manch einer in seinem ganzen Leben."
„Das stimmt wohl", stellte Hermine ganz unbescheiden fest. Der Professor hatte recht, warum es leugnen? „Doch ich hatte Sie, Sir. Sie haben mich an meine Grenzen getrieben und darüber hinaus. Sie haben mir Dinge beigebracht, die mir kein anderer hätte beibringen können, weil ich sie von keinem anderen hätte annehmen können.
Sie hatten Vertrauen in meine Fähigkeiten, Vertrauen in mich - das war etwas, was ich von Ihnen am allerwenigsten erwartet hatte."
Snape lächelte. Im gefiel Hermines Offenheit. Er hatte den Eindruck, daß sie an einen neuen Punkt in ihrer Beziehung ankamen. Das Student / Lehrer Verhältnis hob sich auf.
„Ich weiß, daß ich von Ihnen überdurchschnittlich viel gefordert habe. Mehr als ich es jemals von einem anderen getan hab. Doch hätte ich Sie nicht dermaßen gefordert, wäre es nur eine Verschwendung Ihres Potenzials gewesen. Ich habe Sie nicht bis an Ihre Grenzen geschickt, um sie zu quälen. Ich hoffe, das wissen Sie, Gryffindor.
Ich habe Sie zur Kriegerin ausbilden wollen, damit sie überleben! Denn was auf uns zukommt, das ist kein Sturm, sondern ein Orkan. Und nur diejenigen werden ihn überleben, die sich ihm gut gewappnet entgegen stellen."
Snape schwieg einen Moment. Dann sagte er:
„Es bleibt unter uns, Gryffindor." Ein Funkeln trat in seine Augen. Ein leises, angedeutetes Lächeln umspielte seine Lippen. „Aber ich bin wirklich sehr stolz auf Sie. Sie haben meine Erwartungen weit übertroffen."
Hermine sah ihn überrascht an.
„Ähm ... Danke, Sir."
Für einen Moment herrschte angenehmes Schweigen zwischen ihnen, sie hingen beide ihren eigenen Gedanken nach. Dann sagte Snape:
„Ihre angebliche Flucht wird sich sehr dramatisch gestalten. Schließlich soll Draco wie ein wahrer Held in Hogwarts eintreffen."
Hermine hob interessiert eine Braue.
„Sie erinnern sich an den glorreichen Abgang der Weasley Zwillinge in Hogwarts?"
Hermine nickte, ihr schwante Übles.
„Draco hat sich Potters Feuerblitz geliehen-"
„WAS!" schnappte Hermine verblüfft. „Harry hat Malfoy seinen Feuerblitz überlassen??"
„Mister Potter macht sich anscheinend größte Vorwürfe wegen dem, was damals geschehen ist. Er ist wohl bereit, sich an jeden Strohhalm der Hoffnung zu klammern.
Gut für uns! Also um fortzufahren:
Draco wird Sie auf dem Feuerblitz und unter Potters Tarnmantel verborgen -"
„Den hat Harry Malfoy auch überlassen?" fragte Hermine geschockt. Doch Snape fuhr fort, ohne sich von ihr ablenken zu lassen:
„... nach Hogwarts fliegen -"
„Das glaub ich einfach nicht", stöhnte Hermine und versenkte ihr Gesicht zwischen den Händen. Snapes Stimme erhob sich ein wenig:
„... und Sie dort wohlbehalten abliefern. Er wird der Held der Stunde sein, Sie das verlorene Schaf, das zur Herde zurückkehrt. Ende gut, alles gut!" schloß Snape seine kurze Rede, während Hermine ihn ansah, als hätte er den Verstand verloren.
„Das glaubt doch keiner!" platzte es aus ihr heraus.
„Oh, das glaubt jeder, der daran glauben will. Und absolut jeder wird daran glauben wollen, weil man Sie schmerzlich vermißt hat! Vermeiden Sie intensives Nachfragen über ihren Aufenthalt hier. Täuschen Sie Gedächtnisverlust vor, brechen Sie in Tränen aus, wenn man nachhaken will.
Und vor allem: Vermeiden sie jede Art von Untersuchung! Keiner darf das dunkle Mal oder die Zeichen auf ihrem Körper sehen. Gehen Sie Moody aus dem Weg. Es könnte sein, daß er die Kraft der alten Magie fühlt. Ich habe nie wirklich herausbekommen, wie sein magisches Auge arbeitet. Dumbledore zu täuschen, wird wiederum schwieriger. Aber vielleicht ist es auch nicht nötig."
Hermine sah Snape erleichtert an.
„Dann kann ich doch mit ihm darüber reden?"
„Niemals!" sage Snape entschieden.
„Doch Dumbledore akzeptiert ein Schweigen. Und ich bin mir sicher, daß er mich nach wie vor für keinen Verräter hält. Dafür -", Snape schwieg einen Moment.
„Dafür weiß er einfach zuviel über mich, kennt mich viel zu gut", sagte er schließlich.
Hermine dachte kurz über den letzten Satz nach, fragte sich, was Dumbledore alles über Severus Snape wußte.
„Morgen also ..." sagte Hermine leise.
Snape nickte.
„Ach ja, noch was: Nur wenn alle Stricke reißen, aber wirklich nur dann, zeigen Sie Dumbledore das dunkle Mal und auch die Zeichen. Aber nur ihm, und sprechen Sie nicht mit ihm über irgendetwas, was ihren Aufenthalt hier betrifft. Er wird verstehen und keine Fragen stellen. Ebenso wird er ihnen jeden anderen vom Hals halten. Reden Sie nicht mit ihm über Ihren Auftrag, bis Sie von mir das Okay haben, verstanden?"
Hermine nickte.
„In Ordnung. Was meinen Sie, wie lange muß ich diese Täuschung aufrecht erhalten? Wann wird der Dunkle Lord ...?"
„Es kann nicht allzulange dauern. Denn mit jedem Tag, der vergeht, wird man sich zu fragen beginnen, was mit Ihnen geschehen ist. Man wird sich fragen, wie Sie die ganze Zeit über bei den Todesser überleben konnten und ob man nicht vielleicht eine Zeitbombe zurückgeschickt bekommen hat. Die Ordensleute sind nicht naiv, Gryffindor. Sie wissen haargenau, wie der Feind arbeitet.
Und auch der Dunkle Lord ist ungeduldig. Er will Dumbledore endlich zur Strecke bringen. Er will diese ganze Angelegenheit mit Potter und der Prophezeiung erledigen. Und er will Hogwarts! Es ist der einzige Ort, an dem er sich jemals Zuhause gefühlt hat."
Hermines Augen wurden groß.
„Wird dann die Falle ...?"
„Ja", sagte Snape knapp. „Sie wird in Hogwarts zuschnappen und Draco wird Ihnen dabei helfen. Er wird Sie unterstützen wie auch die Kinder der anderen Todesserfamilien, die sich noch in Hogwarts aufhalten. Wobei diese eventuell noch zu überzeugen sind. Doch das sollte kein Problem für Sie darstellen, nach all dem, was ich Sie gelehrt habe. Keine der Familien wird sich offen gegen den Dunklen Lord stellen. Man wird vielleicht versuchen Ihnen Steine in den Weg zu werfen. Warten Sie ab. Eventuell werden Sie überzeugende Argumente einbringen müssen ..."
„Das verstehe ich nicht ..."
„Todesser kann man nur durch Macht überzeugen. Sie werden ein paar Knochen brechen, blutige Nasen verteilen, kurzum Macht ausüben müssen! Ohne Rücksicht oder Gewissensbisse. Sie sind die Waffe des Dunklen Lords, denken Sie daran!
Wer sich an Ihnen vergreift, vergreift sich an ihm. Das waren seine Worte, und die sind Gesetz. Dementsprechend können Sie handeln.
Draco können Sie mehr vertrauen, als jedem anderen in Hogwarts - zumindest wenn es um diesen Auftrag geht. Vielleicht sogar darüber hinaus.
Ich weiß nicht ... der Junge hat sich in letzter Zeit verändert. Er scheint einige seiner bisherigen Werte, in Frage zu stellen ... und ich frage mich wieso", fügte der Lehrer für Zaubertränke nachdenklich an.
„Er war damals anwesend", murmelte Hermine.
Snape blickte auf, verstand sofort auf welches damals sie anspielte.
„Doch das wußte ich nicht. Ich hatte ihn nicht gesehen", fuhr Hermine leise fort.
„Draco hat es mir gestern gesagt. Hat sich bei mir entschuldigt. Das muß man sich mal vorstellen! Er entschuldigte sich bei mir, weil er mir damals nicht half. Und ich konnte sehen, daß er es ernst meinte ..."
Hermine verstummte, suchte nach Snapes Blick.
„Seltsam, nicht wahr?"
„Nein", sagte der Professor, schüttelte den Kopf. „nicht in meinen Augen. Es beweist nur, daß ich mich in Draco nicht getäuscht habe. Er ist ein intelligenter junger Mann. Er hat seinen eigenen Kopf und für seine Erziehung kann nichts. Fast ist es ein Wunder, daß er noch zwischen Recht und Unrecht unterscheiden kann. Schließlich kenne ich seine Eltern und weiß, wie Draco aufgewachsen ist.
Hmm, was sie gerade gesagt haben, erklärt natürlich einiges ... dennoch würde ich empfehlen, ihm nicht wirklich zu trauen. Seine neu gewonnenen Ansichten und Erkenntnisse sind womöglich noch zu neu, als das wir darauf bauen sollten. Wir können nicht wissen, ob es dabei bleiben wird. Doch trotzdem wird er Ihr verläßlichster Verbündeter in Hogwarts sein."
„Mag sein. Doch ich traue ihm nicht. Er ist, was er ist: Draco Malfoy, Reinblut und Slytherin. Und ich bin Schlammblut Granger, eine Gryffindor. Ich werde ihm niemals trauen. Zwischen uns stehen sieben Jahre des gegenseitigen Mißtrauens und der Verachtung. Ganz genauso wie die Feindschaft unserer Häuser. Nein, da gibt es nicht viel mehr, was ich dazu sagen könnte."
Severus Snape nickte.
„Wie Sie meinen, Gryffindor. Doch vergessen Sie nicht, daß auch ich ein Slytherin bin. Dennoch sind wir gut miteinander ausgekommen, oder etwa nicht?"
Hermine blickte Snape betroffen an. Er hatte recht. Sie hatte völlig vergessen, daß Snape nicht nur Slytherin, sondern sogar Slytherins Hauslehrer war!
Der Professor nickte ihr zu.
„Es wird jetzt Zeit, für Sie zu packen. Nehmen Sie alles mit, das Sie hier angefertigt und gebraut haben. Sie werden es benötigen. Ich hab Ihnen einen Besen bereitgestellt, den Sie ebenfalls mitnehmen werden. Sie können nicht apparieren und er könnte Ihnen hilfreich sein. Lassen Sie alles schrumpfen, meine Kleidung natürlich auch, und verstauen Sie das alles in der kleinen Box, die ich ihnen aufs Zimmer gebracht habe. Diese wird Ihnen Draco in Hogwarts zurückgeben."
Er schmunzelte, als er ihren verblüfften Gesichtsausdruck bemerkte.
„Sie werden alles brauchen, wenn es zum Entscheidungskampf kommt. Und ich will Sie auf gar keinen Fall ohne den Schutz meiner Kleidung wissen - und außerdem", Snapes Augen glitzerten freundlich, „sehen Sie in Schwarz wirklich gut aus."
Hermine mußte erleichtert auflachen und war froh, daß sie Professor Snape nicht hinters Licht führen mußte.

***

In dieser Nacht schreckte Hermine immer wieder aus dem Schlaf auf. Sie war unruhig. Der Gedanke daran, wieder in ihr altes Leben zurückzukehren, war beunruhigend.
Besonders, da sie ab morgen den Verrat an Harry und Dumbledore würde planen müssen.
Es war kurz vor drei, als Hermine sich entschied aufzustehen und zum Schrank in die Küche zu gehen. Sie konnte einfach keinen Schlaf finden, hatte jetzt bestimmt schon eine Stunde wach im Bett gelegen. Schnell wickelte sie sich in die dünne Decke ein, nahm den Zauberstab (was für für alle Zauberer und Hexen wie Socken anziehen war) und verließ leise ihr Zimmer.
Es war still im Haus. Hermine schlich die Treppe hinunter, ging am Wohnzimmer vorbei und blieb dann überrascht stehen. Leise Geräusche drangen von jenseits der Tür. Sie lauschte.
Es war ein gleichmäßiges leises Geräusch - ein ... Hermine fragte sich, ob sie sich täuschte, aber tatsächlich klang es wie ein leises Schnarchen. Sie atmete tief durch und legte die Hand auf die Wohnzimmertür. Vorsichtig versuchte sie, diese aufzudrücken. Und tatsächlich schwang die Tür auf und enthüllte den Blick auf einen auf dem Sofa ausgestreckt liegenden, schlafenden Severus Snape. Er trug ein graues knielanges Nachhemd, stellte Hermine überrascht fest, und es war ihm über die Schenkel gerutscht. Der Schein der Kerze auf dem Tisch erhellte sein entspanntes Gesicht und das leise Schnarchen kam tatsächlich von ihm.
Hermine bemerkte, wie einige der magischen Zeichen scheinbar aus dem Nichts auf seiner Haut auftauchten, und träge über seine Beine und Arme wandernden.
Vermutlich würde sie sich nie diesen Anblick gewöhnen. Ob bei ihm oder ihr.
Eine Flasche mit goldfarbener Flüssigkeit stand auf dem Tisch, und ein Glas, das zu einem fingerbreit gefüllt war, hatte der Professor sich auf der Brust abgestellt. Doch es drohte nun langsam von dort hinunterzurutschen.
Verunsichert betrat Hermine das Wohnzimmer. Sie fand, daß sie den Professor so nicht sehen sollte. Es war irgendwie peinlich. Am besten, sie nahm ihm das Glas ab, löschte die Kerze und verschwand. Doch als sie sich ihm näherte, bemerkte sie ein Frauengesicht in den Flammen der Kerze. Es wandte sich ihr zu und erschreckt keuchte Hermine auf, sprang zurück.
„Schon gut, Hermine Granger", sagte das Gesicht in der Flamme leise und sie erkannte in der Stimme die Frauenstimme, die sie in jener Nacht gehört hatte, als sie unfreiwillig (na gut, fast unfreiwillig) das Gespräch zwischen Professor Snape und der unbekannten Frau mitangehört hatte.
„Sie kennen mich?" fragte Hermine vorsichtig. Dann sah sie sich das Gesicht in der Flamme genauer an und es kam ihr vage bekannt vor.
„Sicher. Severus hat nicht oft eine Frau über Nacht in unserm Haus. Und du bist nun schon seit Monaten unser Gast. Komm setz dich kurz zu mir."
„Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist, Miss -?"
„Mrs." verbesserte sie das Flammengesicht. „Mrs. Snape."
Hermine riß die Augen auf und setzte sich nun doch in den Sessel. Jetzt begriff sie, warum ihr das Gesicht vertraut vorgekommen war. Das Kinn, die Wangenknochen, das Haar - es ließ sich nicht verleugnen. Severus Snape war ihr Sohn.
„Mrs. Snape", flüsterte sie nun doch etwas aufgeregt. „Das ist ja toll, daß ich Sie kennenlerne. Aber ich glaube nicht, daß es dem Professor recht wäre, wenn er wüßte, daß ich hier bin und ihn in seinem Nachthemd sehe."
„Papperlapapp!" widersprach ihr Severus' Mutter resolut. „Ich laß mir doch nicht die Gelegenheit zu einem Gespräch entgehen, nur weil es meinem Severus peinlich wäre, wenn er wüßte ... blah, blah, blah ... was er im übrigen gar nicht weiß! Du siehst doch, daß er zuviel getrunken hat und die nächsten Stunden erst mal seinen Rausch ausschlafen wird. Der Junge verträgt einfach nichts! Zu viel Zaubertränke, wenn du mich fragst ... er sollte sich besser mal von meinem Schrank anständig bekochen lassen und öfter einen Heben gehen! Manchmal denke ich, daß in Binns mehr Leben steckt als in meinem Sohn."
Hermine starrte mit offenem Mund auf das Gesicht in der Flamme und wußte nicht, ob sie lachen oder schockiert sein sollte.
„Und jetzt mach den Mund zu, Mädchen, und zieh nicht so ein Gesicht. Vor allem aber nimm ihm endlich das Glas ab, bevor es herunterfällt! Ich kann es mir ja kaum mitansehen. Du siehst doch, daß ich nichts tun kann. Und bei der Gelegenheit kannst du es gleich austrinken. Merlin, was würde ich darum geben, selbst einen Singlemalt trinken zu können ..."
Hermine stand auf, beugte sich vor und nahm Professor Snape das Glas aus den Händen. Kurz öffneten sich seine Augen und er lächelte sie mit glasigen Augen an. Dann murmelte er leise Gryffindor, drehte sich zur Seite und schlief weiter. Sein nacktes von wandernden Zeichen überzogenes Hinterteil streckte sich ihr entgegen. Hermine räusperte sich und bedeckte es schnell mit seinem Nachthemd.
„Was hab ich gesagt?" meinte Snapes Mutter trocken. „Und jetzt trink das Glas leer, du hast es verdient!"
Hermine widersprach nicht, hatte sie doch den Eindruck, jetzt dringend den Whisky zu brauchen. Und wieso mußte sie ständig auf Snapes Hinterteil starren?
Der scharfe brennende Geschmack des Whisky trieb ihr die Tränen in die Augen und sie stieß ein ersticktes Keuchen aus.
Dann stellte sie das Glas mit einem Ruck auf dem Tisch ab und wischte sich die Tränen aus den Augenwinkeln. Immerhin - stellte sie fest - starrte sie jetzt nicht mehr seinen Hintern an. Hermine nahm Platz und sah in die Kerze.
„Mrs. Snape", sagte sie dann und wurde sofort unterbrochen. „Eileen, Liebes. Nenn mich doch bitte Eileen." Hermine räusperte sich. „In Ordnung ... Mrs. ... ähm ... Eileen." Wieder räusperte sie sich und kam sich einen schrecklichen Moment lang wie Umbridge vor. Doch dann platzte es aus ihr heraus:
„Also was machen Sie hier? Mitten in der Nacht - und dazu noch in dieser Kerze?!"
Das Gesicht in der Flamme lachte.
„Aber, Kindchen, ich bin tot! Die Toten können nur in der Nacht kommen und auch nur, wenn sie anständig heraufbeschworen werden. Severus kann das. Er hat mich mit seinen Gaben schon immer mächtig stolz gemacht ... Wünschte nur, er hätte sie weiser eingesetzt."
Hermine griff nach dem Whisky, schenkte sich nach („Recht so!" kommentierte Eileen Snape) und nahm einen Riesenschluck.
„Sie sind tot??" fragte sie etwas erschüttert.
„Mausetot", bestätigte Mrs. Snape.
Hermine fiel in den Sessel zurück und fühlte, wie ihr langsam der Whisky ins Blut stieg. Sie strich sich ihr Haar aus dem Gesicht.
„Mein Beileid", sagte sie dann automatisch und im selben Moment wurde ihr klar, daß sie Eileen Snape zu ihrem eigenen Tod das Mitgefühl aussprach. Sie stöhnte auf und verbarg beschämt ihr Gesicht zwischen den Händen. Am liebsten wäre sie im Erdboden versunken. Doch Eileen Snape hingegen lachte nur vergnügt.
„Oh, Danke", rief sie fröhlich. „Das ist gut! Das werde ich sofort weiter erzählen! Ihr Lebenden seid lustig! Und der Spruch hat das Zeug zum running gag!"
„Ma'am!" rief Hermine in einer Mischung aus Empörung und Belustigung und stellte fest, daß sie Snapes Mutter auf Anhieb sympathisch fand. Mochte sie nun tot oder untot sein, in ihrer Art glich sie überhaupt nicht ihrem Sohn.
„Sagen Sie, Mrs. (ein strenger Blick traf sie und schnell verbesserte sie sich) Eileen, ist das ... hmm ... na ja ... vielleicht auch ... schwarze Magie? Ich meine, daß Sie hier sind?"
„Schwarz, weiß, grau ... also ehrlich, wen interessiert das schon? Vor allem aus meiner Perspektive, wie du dir vorstellen kannst! Du solltest es doch inzwischen besser wissen. Die Magie läßt sich nicht in schwarz oder weiß aufspalten. Das sind doch nur leere nichtssagende Konzepte, die von ängstlichen Idioten entworfen worden sind. Von solchen, die sich vor der Macht der Magie fürchten -"
„Und die verdammt gut daran tun!" unterbrach Hermine Eileen Snape aufgebracht.
„Ich weiß inzwischen selbst viel zu gut, wie sehr einen die Magie in Versuchung führt. Aber vielleicht ist das etwas, was man vergißt, wenn man tot ist -"
Hermine schlug sich erschrocken die Hand vor den Mund.
„Oh - Entschuldigung! Ich wollte nicht unhöflich oder grob sein, Mrs. Snape."
„Eileen", wiederholte Snapes Mutter sanft. „Und du bist nicht unhöflich. Es ist wohl die Wahrheit. Tatsächlich vergißt man eine Menge, wenn man tot ist. Die Toten vergessen, wie schwer es die Lebenden haben. Wir vergessen, daß das Leben oft genug nur ein blankes Überleben ist.
Ja, wir erinnern uns zwar noch an die Liebe und den Schmerz, erinnern uns an das Vergnügen des Essens und Trinkens, an die Sonne auf der Haut und den Wind in den Haaren, aber wir haben vergessen, wie es sich anfühlt, das ist die simple Wahrheit.
Wir sind kein Fleisch mehr, haben keine Körper mehr ..."
Das Flammengesicht war nachdenklich geworden, doch dann lächelte Mrs. Snape Hermine freundlich zu.
„Es ist schön, endlich mal jemanden anderen zu Gesicht zu bekommen. Besonders, wenn man seit Jahren mit so einem Griesgram wie meinem Sohn auskommen muß. Außerdem ruft mich Severus sowieso nur dann herbei, wenn er sich mit mir beraten oder aussprechen will. Aber mich mal zu einem kleinen Plausch einzuladen, auf die Idee käme er nicht. Hast du überhaupt Lust, dich mit mir zu unterhalten, Hermine?
Hast du Zeit?"
Hermine starrte in die Kerzenflamme, warf einen Blick auf den schlafenden Severus Snape und dachte, daß es eine gute Gelegenheit wäre, ihren Professor mal aus einer anderen Perspektive kennenzulernen.
„Na aber klar doch, Eileen!" sagte sie.

***

Gute zwei Stunden später sank Hermine auf ihre Matratze zurück und schlief ein, um nur einen Moment später - zumindest schien es ihr so - mit dem üblichen Faustschlag gegen die Tür geweckt zu werden.
Nach ihrer Dusche und einem immer noch irritierten Blick auf ihre wandernden Zeichen fand sie sich in Muggelkleidung am Küchentisch sitzend wieder. All ihre wenigen Habseligkeiten hatte sie in der gerade mal Schuhkarton große Box verstaut, auch Snapes Kleidung und den Besen. Anschließend hatte sie die Box noch auf handtellergröße geschrumpft. Alles war für ihren Aufbruch bereit.
„Ich bringe Sie in ein paar Stunden zum vereinbarten Treffpunkt. Dort trennen sich unsere Wege. Ich glaube nicht, daß wir in Kontakt treten werden, ehe es zum Entscheidungskampf kommt."
Hermine nickte. Sie fühlte sich mies, hatte viel zu wenig geschlafen und dazu noch Kopfweh. Der nächtliche Plausch mit Mrs. Snape hatte ihr keine wirklich neuen Kenntnisse über Professor Snape eingebracht. Eileen war den Fragen nach ihrem Sohn ausgewichen, hatte aber bereitwillig mit Hermine über sich selbst geredet. Was nicht minder interessant gewesen war und durchaus Rückschlüsse auf Snapes Kindheit zuließ. Auch hatte Mrs. Snape Hermine über alles mögliche ausgefragt. Hogwarts, die Todesser, Dumbledore, Harry und auch über sie selbst. Es hatte Hermine überrascht, wie gut sich Mrs. Snape in der Muggelwelt auskannte, selbst über aktuelle Trends Bescheid wußte. Auf Hermines Rückfrage hatte sie nur vage angedeutet, daß die Toten es liebten, die Lebenden zu beobachten, sie aber nicht viel mehr darüber sagen durfte. Schließlich gäbe es auch in der Welt der Toten Gesetze. Aber was gäbe es für verstorbene Zauberer schon lustigeres als die Muggelwelt?
Es war kurz nach fünf, als sich Eileen Snape verabschiedete und sagte, daß sie nicht länger bleiben könne, weil der Tag nun endgültig anbrach. Die Kerze war verloschen und Hermine hatte noch zwei Stunden Zeit, um Schlaf nachholen zu können.

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