Zu den Höhlen von Loltun, Chichen Itza und Ek Balam
Ich startete am Morgen und fuhr in Richtung Oxkutzcab zu den Grutas de Loltun.
Grutas de Lolttun
Die Loltun Höhlen sind ein beeindruckendes Höhlensystem in Nordyukatan, das man nur im Rahmen einer Führung besichtigen kann. Die Führungen finden abwechselnd in spanischer und englischer Sprache statt.
Geschäftstüchtig wie die Mexikaner nun mal sind, bieten sie auch eine private Führung in Englisch an, sollte man gerade die englischsprachige verpasst haben und wieder Spanisch auf dem Plan stehen.
Natürlich hatte ich die englischsprachige verpasst, wollte aber nicht eine Stunde lang warten und sah es überhaupt nicht ein, extra etwas zu zahlen (das Extra ist schon ein beachtliches Sümmchen). Also schloss ich mich der spanischsprachigen Tour an.
Ich hatte ja gehofft, der Führer würde wenigstens ein bisschen was in Englisch sagen, doch der blieb hartnäckig. Dafür gab es dann auch nur Minimaltrinkgeld, aber immerhin wartete er auf mich und mein Bilder schießen.
Also abgesehen davon, dass ich kein Wort von dem verstanden habe, was der Führer sagte, sind die Höhlen absolut großartig!
Ganze Kathedralen könnten in diese Höhlen verschwinden, ich kann mich nicht erinnern, jemals ein so weitläufigeres System gesehen zu haben. Nichts ist in irgendeinder Weise eng oder bedrückend, auch die Belüftung war in Ordnung. Allerdings sollte man schon anständiges Schuhwerk tragen. Ich dachte, ich spinne, als ich einige der mexikanischen Touristen in Flipp-Fopps hab herumlaufen sehen. Zum Lohn dafür sind sie auch ständig ausgerutscht.
Ich fuhr weiter nach Oxkuztcab, und von dort aus nahm ich die Strecke bis nach Holca, die ich bereits kannte.
Übers Land fahren
War mir bei der Herfahrt die Armut in den Dörfern schrecklich vorgekommen, so konnte ich bei meiner Rückfahrt doch auch die Kleinigkeiten sehen, mit denen die Leute Freude in ihren Alltag brachten.
Gepflegte Blumen-, Obst- und Gemüseanpflanzungen, Kokosnussmilchverkäufer am Straßenrand, Männer in sauberen Hemden und Frauen in ihren luftigen weiten Kleidern. Die Straßen aber waren immer noch staubig und nach wie vor starrten mich die Leute neugierig wie auch überrascht an.
Eine Gringa allein unterwegs. Mancher wird sich gefagt haben, was für eine komische Weiße sich da in ihr Alltagsleben verirrt hatte. Ich jedenfalls empfand bei der Rückfahrt die Lebensumstände der Leute nicht mehr so bedrückend und fast schien es, als hätte mich der Ausflug von der so luxuriosen Küstenregion wieder auf ein Normalmaß von Lebensstandard gebracht.
Zurück auf der Mex 180 fuhr ich nach Chichen Itza, wo ich im Hotel Dolores zu Übernachten beabsichtigte.
Der 12. Dezember
Die Dunkelheit brach schon ein und überall auf der Straße waren Pick-ups mit Warnblickern und Staffeln von Laufern unterwegs. Diese Läufer sind im Dezember eine Spezialität Mexikos. Junge Männer laufen quer durch das Land zu Ehren ihrer Nationalheiligen, der Jungfrau von Guadalupe, und erhoffen sich mit dieser Tat die Gunst der Heiligen.
Ihr Fest findet am 12. Dezember statt und überall gibt am Abend zuvor Umzüge und Fiestas. Leider hatte mir das mit dem Abend zuvor keiner gesagt, so dass ich die Fiestas verpasst habe. Ich dachte, am Abend des 12. Dezember finden diese ganzen Sachen statt, war aber nicht so.
Andererseits war es mir sowieso zu heiß, so dass ich nur das Pflichtprogramm Yukatan (Mayastätten) absolvierte. Ob ich wirklich zu einer Fiesta gegangen wäre, selbst wenn ich es gewusst hätte, ist zweifelhaft.
Ich kam am Hotel Dolores an auch unter. Ich hatte mich noch gefragt, ob es klappen würde, da ich nicht reserviert hatte. Aber es klappte und war unproblematisch. Das Hotel ist ungefähr fünf Autominuten von Chichen Itza entfernt und für diese Lage wie auch die Qualität preislich ungeschlagen. Empfehlenswert.
Später fuhr ich noch nach Piste, der nächst gelegenen Ortschaft bei Chichen Itza. Aber das war nur ein frustrierendes Nest, das auf Touristen abzocken aus war. Abendessen gab ich mir im Dolores mit zwei amerikanischen Touristinnen, die ... hmm, sehr amerikanisch waren.
Am nächsten Morgen war ich gleich nach der Öffnung der Mayastätte auf dem Gelände. Noch war kaum etwas los und es machte wirklich Spaß, über die leeren Plätze zu spazieren.
Chichen Itza
Über Chichen Itza ist schon so viel geschrieben worden, das ich mich frage, was ich dem noch hinzufügen soll. Ich sollte vielleicht all die Händler erwähnen, die auf dem Gelände ihre Waren verkaufen.
Natürlich ist nichts ausgezeichnet, so wie grundsätzlich nie irgend etwas ausgezeichnet ist. Ehrlich, das hat mich genervt! Ständig erzählt dir der Verkäufer, dass er dir einen guten Preis macht und labert dich voll, bis du nicht mehr weißt, was du kaufen wolltest. Und wie soll man Preise vergleichen, wenn nichts ausgezeichnet ist? Und so bald du mal nachfragst, kaut man dir das Ohr ab. Das hab ich wirklich gehasst in Mexiko. Nirgends darfst du mal Hingucken oder Interesse zeigen, ohne das gleich jemand versucht, dir irgendetwas aufzuschwatzen.
Ich bin halt der Typ, der das Handeln hasst. Lieber kaufe ich nichts, als das ich das Gefühl hab, irgendwie aufs Kreuz gelegt worden zu sein. Diese Handelsmentalität ist mir völlig fremd.
Im Nachhinein kann ich allerdings zusammenfassen, dass die Händler in Chichen Itza sich gegenseitig schon so viel Konkurrenz machen, das ihre Preise wohl recht anständig sein müssen, besonders wenn man sie mit den Shops an der Karibikküste vergleicht. Auch ist die Qualität der angebotenen Waren im Schnitt von besserem Standard. Der Rest hängt von Ihrem eigenen Verhandlungsgeschick ab. Ich aber mag das Handeln nicht und hab nichts gekauft. Was solls!
Morgens ist die Welt noch in Ordnung - besonders in Chichen Itza. Obwohl der Hauptplatz mit der weltberühmten Kuculcan-Pyramide völlig unbeschattet ist, kann man um diese Uhrzeit noch gemütlich umherlaufen und hat dabei nicht das Gefühl, das einem die Sonne das Hirn weichkocht. Außerdem ist es nett, Fotos zu schießen, auf der nur die Pyramide und keine Touristen drauf sind.
Ich war froh, das ich diesem Tip aus dem "Reise Know How" Buch gefolgt war, und meinen Chichen Itza Ausflug so geplant hatte.
Ich schlenderte über die weitläufige Anlage, bedauerte, dass man gar kein Gebäude mehr besteigen oder betreten durfte und ließ die Zeit verstreichen. Ein Haufen Esoteriker (natürlich aus Deutschland) hatten die Ecken eines abseitsgelegenen Platz OM-mäßig mit großen Kristallen ausgelegt, hielten sich bei den Händen und summten ihre Meditation.
Was soll ich sagen?
Kein Ufo kam zum Auftanken vorbei, kein Kristallschädel fiel vom Himmel und niemand musste sich als wiedergeborener Atlanter outen.
Ich stolperte derweil in Richtung Ballspielplatz weiter und war von der Größe dieses zeremoniellen Platzes beeindruckt. Mir vorzustellen, wie ausgewählte Männer dort vor vielen Jahrhunderten mit einen Kautschukball in einem heiligen Spiel um ihr Leben kämpften, war seltsam.
Weiter gings zur Cenote Sagrado, die ich mir irgendwie schöner vorgestellt hatte. Groß war das Teil und an den steilen Kalkwänden ging es senkrecht hinab. Es war kein schöner Gedanke, zum Ertrinken verurteilt, dort hineingeworfen worden zu sein.
Die Sonne brannte inzwischen heißer, doch ich wollte noch zum so genannten Observatorium auf der anderen Seite des Geländes.
Wieder gings auf der Sacbe 1 vorbei an zahllosen Ständen von Händern. Inzwischen war es voller geworden, die ersten Busladungen Toursten waren eingetroffen. Ich hielt mich noch einmal auf dem Platz der Zona Norte vor der Kukulkan Pyramide auf, doch die Sonne brannte zu heiß, so dass ich zum Waldstück ging, das nicht nur Schatten versprach, sondern mich auch zur Zona Central führen sollte.
Im Schatten der Bäume hatten Händler flohmarktmäßig ihre Stände aufgeschlagen, doch inzwischen hatte ich mir angewöhnt, nicht mehr hin zu sehen oder auf Zurufe zu reagieren. Doch wie gern wäre ich hingegangen und hätte mir die Sachen in Ruhe angesehe - aber das ging ja nicht! Jedenfalls nicht in Ruhe.
Vorbei ging es an einer kleinen (aber feinen) Pyramide, der Pyramide el Osario, zum Observatorium.
El Caracol, die Schnecke, ist eine der wenigen runden Bauten der Maya und diente vermutlich tatsächlich der Sternenbeobachtung. Natürlich darf man nicht das Innere des Gebäudes betreten, so das einem nur übrig bleibt, es von außen zu bewundern. Es besticht durch die Harmonie und Eleganz seiner Bauart, durch die Klarheit seiner Form.
Das so genannte Haus der Nonnen schräg gegenüber, ist einfach nur ein riesiger unschöner Klotz. Beeidruckend allein aufgrund seiner Größe, aber das was auch schon. Wirkte ebenso Elegant wie ein Hochhaus auf mich.
Von beeindruckender Schönheit hingegen fand ich La Iglesia, die so genannte Kirche der Nonnen. In wie weit diese ganzen Gebäude überhaupt etwas mit Nonnen oder Mayapristerinnen zu tun haben, sei mal dahingestellt. Es ist halt der Name, die die Spanier den Gebäuden gegeben haben.
Ich ging wieder in Richtung Zona Norte . Nach dreieinhalb Stunden Besichtigung hatte ich beschlossen zu gehen. Die Hitze schien mir unerträglich geworden zu sein und ich sehnte mich nach meinem klimatisierten Auto.
Und wie ich feststellen konnte, war das kein schlechter Entschluss. Denn als ich ging, strömten mir Menschenmassen, wie eine unaufhaltsame Flut entgegen. Mitten in der Mittagshitze hatten die Reiseveranstalter die Leute von der Küste bzw. Merida hier abgeliefert. Na Danke aber auch!
Jetzt war ich erst recht froh, hier übernachtet zu haben und morgens schon meine Tour begonen zu haben. Guter Tipp, den ich absolut weitergeben kann!
Ek Balam
Es war gerade mal Mittag und ich entschied mich nach einer halbstündigen Regeneration im kühlen Auto, dass ich noch genug Kraft hatte, um nach Ek Balam zu fahren.
Ek Balam war eigentlich ein Mayaherrscher und die Stadt hieß wohl Tiquibalon. Sicherlich gebe es mehr über diese Stätte zu schreiben, als ich es tu, doch das ist ein Reisebericht und so soll es auch bleiben.
Bekannt wurde Ek Balam für seine Stuckfassaden (besonders dem so genannten "Höllentor"), die bislang einzigartig in der Maya-Archeologie sind. Die Ausgrabungen zu Ek Balam begannen erst 1997 und dauern noch an. Entsprechend frisch und neu ist dort auch noch alles.
Was mir besonders im Gedächtnis bleiben wird, ist die weitläufige Parkähnlichkeit der Anlage, die gepflegten Anpflanzungen und besonders, dass sie vom Tourismus nicht so überrannt ist, wie andere Maya Stätten. Natürlich kann das auch daran liegen, dass es keine Busverbindungen nach Ek Balam gibt und die Stätte nach wie vor nicht so bekannt ist.
Das Höllentor von Ek Balam |
Während sich also die Touristen von der Küste in der brühtende Mittagssonne durch Chichen Itza drängelten, hatte ich Dank des klimatisierten Autos wieder genug Kraft für die Besichtigung von Ek Balam gesammelt.
Die Pyramiden von Ek Balam sind im Dezember 2007 noch besteigbar gewesen und trotz der Hitze war es das wert. Vielleicht noch ein Tipp, für diejenigen, die auf Pyramiden wollen.
Zurück nach Playa del Carmen
Nach der Besichtigung von Ek Balam musste ich mich entscheiden, ob ich noch einen weiteren Tag daran hängen wollte, um beispielsweise nach Rio Lagartos zu fahren oder später die Grutas de Balankanche zu besichtigen.
Doch ich war inzwischen so weichgekocht und dass ich nur noch ins Hotel zurück wollte, um auszuspannen und mich verwöhnen zu lassen. Außerdem kam meine Sparschweinmentalität durch, die mir sagte, dass ich doppelt zahlte, schließlich war die Unterkuft und die drei Mahlzeiten pro Tag schon bezahlt. So fuhr ich also zurück nach Playa del Carmen.
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