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Rückkehr zum Festland und Abreise
Die Nacht hatte ich recht ruhig in meinem Zelt verbracht, nachdem ich zuvor alle Midges plattgemacht hatte, die mir unvorsichtigerweise gefolgt waren. Doch kaum daß ich das Zelt verlassen hatte, wurde ich von Schwärmen hungriger Midges heimgesucht.
Dieser Morgen war schlichtweg eine Katastrophe!
Ich rannte zum Toilettenblock, wo ich erst mal versuchen konnte, die Midges einigermaßen aus der Dusche zu bekommen. Später konnte ich vor lauter Midges kaum mein Zelt abbauen. Ehrlich, nach ein paar Minuten war ich so abgenervt, daß ich meine Sachen aus dem Zelt einfach nur noch schnappte, in den Kofferraum des Autos feuerte, das noch nasse Zelt einfach hinterher pfefferte und regelrecht vom Campingplatz flüchtete! Direkt in die warme Küche des Bunkhouse.
Dort stellte ich mir erst mal Wasser auf, um bei einem starken Morgentee meine Nerven wiederzufinden.
Ich tat mal ganz einfach so, als würde ich dazugehören ;-) denn die Küche des Bunkhouse war ja nicht für die Camper gedacht - aber andererseits hatte ich ja erst eine Nacht zuvor im Bunkhouse übernachtet ... und ich nahm ja nur den Heißwasserkocher in Beschlag.
Ich denke, das kann man durchaus vertreten, oder?
Außerdem mußte ich doch meine Thermoskanne mit heißem Tee füllen ...
Nachdem ich mich beim Teetrinken wieder eingekriegt hatte, fuhr ich nach Stornoway, nicht ohne mir vorher im Coop Richtung Stornoway noch den leckeren Lachs des Salar Smokehouse zu holen - yummie!
Übrigens gibts im dortigen Coop auch ein Bier zu kaufen, das auf den Hebriden gebraut wird und das "Berserker" heißt ... da kommt man doch ins Grübeln, oder nicht?
Meine Fähre verließ Stornoway um 14 Uhr. Bis dahin trieb ich mich in der kleinen Innenstadt herum, fand einen tollen Buchladen, in dem ich dann viel Zeit vertrödelte, und stand schon um 12 in der Reihe, um an Bord zu fahren. Mein Zelt hatte ich derweil auf dem Parkplatz am Pier wieder ordentlich eingepackt etc.
Die Überfahrt von Stornoway nach Ullapool ist ziemlich kurz, aber dennoch schön. Wie immer genoß ich es, mich durchschwanken zu lassen.
Ist schon verrückt! Meistens gefällt mir das Fährefahren, aber es gab auch schon Zeiten, in denen es mir auf den Magen geschlagen ist. Das Beste in so einem Fall ist ein kleiner Snack - ehrlich. Doch dieses Jahr hatte ich null Probleme und konnte die Schaukelei so richtig genießen.
:-)
In Ullapool angekommen fuhr ich weiter bis nach Inverness - was sich als eine längere Stecke erwies, als ich angenommen hatte. Zeitlich gesehen. Und mir fiel auf, daß die Schotten inzwischen auch auf dem Festland anfangen, alles in Englisch und Gälisch auszuschildern. Das scheint mir neu zu sein. Letztes Jahr war mir das nicht aufgefallen.
Klar, daß auf den Hebriden, wo Gälisch die Alltagssprache ist, alles zweisprachig ausgeschildert ist ... aber auf dem Festland?? Da scheint das starke Unabhängigkeitsbestreben der Schotten, einen Protestweg gefunden zu haben.
Bei Inverness gibt es einen Farmbetrieb, der B+B anbietet, und den ich letztes Jahr zufällig gefunden hatte. Tolles Frühstück mit Bett und en suite Zimmer für nur 20 Pfund. Dort wollte ich unbedingt wieder übernachten.
Ich fand ihn sogar auf anhieb doch leider war bei Mrs. Mac Gregor alles ausgebucht. Mist! Was allerdings toll war, war, daß sie mich wiedererkannte.
Nach einem Schwätzchen fuhr ich ein bißchen gefrustet weiter und fand dann in Richtung des Flughafen doch noch eine en suit Unterkunft für 25 Pfund. War zwar teuerer als geplant, aber in Ordnung. Besonders wenn man bedenkt, daß man mir kurz davor ein Single Zimmer mit geteiltem Bad für 30 Pfund angeboten hatte.
Tagsdrauf bummelte ich durch Inverness und stellte fest, daß sich die Stadt gewaltig verändert hatte. War die Stadt am Ness noch Ende der 80er ein charmantes verschlafenes Städchen, ist sie inzwischen zu einem echten Einkaufserlebnis geworden. Ich war beides: Geschockt und überrascht zugleich. Gefallen hat es mir dennoch.
Am späten Nachmittag fuhr ich los in Richtung Glasgow. Ich wollte der Stadt noch eine Chance geben.
Ich war letztes Jahr von diesem Riesenmoloch von Stadt so abgenervt gewesen, daß ich dachte, ich würde es nicht noch mal versuchen. Doch ich wollte so gerne die Necropolis sehen. Einer der tollsten Friedhöfe GBs. Und architektonisch soll Glasgow ja auch einiges zu bieten haben.
Ich kam erstaunlich gut voran und als Glasgow nur noch ein paar Meilen entfernt war, verließ ich den Motorway, um mir ein B+B außerhalb der Großstadt zu suchen. In der Nähe der Stadt wollte ich nicht Campen oder im Auto schlafen. So weit reicht mein Vertrauen in die Zivilisation doch nicht.
Es kam wie's kommen mußte. Nachdem ich stundenlang (kein Scherz!) eine bezahlbare Unterkunft sowohl in Glasgow als auch außerhalb gesucht hatte, gab ich es auf. Außerhalb Glasgows hatte ich nichts gefunden und in der Stadt ... nicht mal nen Parkplatz.
Ich war so sauer, daß ich beschloß in meinem Wagen zu übernachten. Na ja, natürlich nicht in Glasgow, so viel war klar. Also fuhr ich wieder heraus aus dieser schrecklichen Stadt und suchte mir ein Plätzchen auf dem Land. Was ich erstaunlicherweise sogar fand.
Irgendwo vor den Grenzen der Stadt gibt es tatsächlich eine so abgelegene Gegend, daß nicht einmal Straßenbeleuchtung vorhanden ist. Perfekt für ein Schläfchen im Wagen. Ich krabbelte in meinen Schlafsack, verfluchte Glasgow und zog mir die Decke über den Kopf.
In der Nacht begann heftiger Regen so daß ich mich schließlich als total sicher empfand. Bei dem Scheißwetter würde niemand unterwegs sein und übles planen.
Den nächsten Tag machte ich erst mal Frühstück beim Tesco vor den Toren Glasgows. Tee mußte her! Dann fuhr ich in die Stadt.
Die Parkhäuser dort nehmen einen wie eine Weihnachtsgans aus. Auf der Straße zu parken, macht noch weniger Sinn.
Glasgow nervt! Ich werde wohl kaum noch einmal dorthin fahren. Die Stadt ist alles andere als schön. Sie ist riesig, grau und unübersichtlich.
Sicherlich hat sie einiges an Schönheiten zu bieten, doch ich hatte kein Interesse, die Distanzen, die zwischen den Sehenswürdigkeiten liegen, zu überwinden. Alles erschien mir unorganisiert und chaotisch. Überhaupt nicht touristentauglich. Definitiv die Stadt Nummer 1 auf meiner UK-Minusliste. Von einer so großen Stadt sollte man mehr "Benutzertauglichkeit für Fremde" erwarten können, oder etwa nicht?
Die Necropolis habe ich immer noch nicht gesehen - und werde sie vermutlich niemals sehen. Denn Glasgow ist für mich Geschichte. Ich kann mit meiner Zeit und meinem Geld besseres anfangen!
Farewell Glasgow!!
Ich fuhr die Küste entlang und blieb dort bis am Abend mein Flug von Prestwick Richtung Deutschland ging.
Fazit meines damaligen Sommerurlaubs ist:
Die Hebriden waren toll, und ich werde definitiv zurückkehren. Mir fällt noch zum Ende dieses Reiseberichts noch ein Satz ein, den ich in irgendeinem Reiseführer über die Hebriden las, und der so ähnlich lautete:
"Die Hebriden sind von solch einer Einsamkeit, daß man sie aushalten muß."
Stimmt! Manchmal erscheint die Abgeschiedenheit der Inseln unwirklich. Doch ich fühlte mich in dieser wilden Einsamkeit wohl und war glücklich. Ich will diese Erfahrung des All-ein-sein nicht missen. Mehr noch:
Ich will sie wiedermachen!
(Ende des Reisetagebuch Hebriden. Sofern das jemand gelesen hat, freue ich mich über einen Kommentar.)
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