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Harris
Harris war die Insel der Western Isles, die mir persönlich am besten gefiel.
Was mir an Harris besonders gefallen hat, war, daß sie so total unterschiedlich an ihren Küsten ist. Die Ostseite ist felsig und wild. Sie ist von einer ungezähmten rauhen Schönheit, die mich ganz besonders berührt hat. Die Westseite wiederum ist voll von langen weißen Stränden, die sanft ins Meer gleiten und an denen man hervorragend Zelten kann. Das Farbenspiel auf beiden Seiten der Küste ist bei schönem Wetter atemberaubend.
Ich kam Freitags, am späten Nachmittag in Leverburgh an und entdeckte beim vermutlich einzigen Laden des Städchens an der Zapfsäule dieses Fahrzeug. Toll, gell!
Ich sollte diesen kleinen Seifenkisten noch öfter begegnen, da gerade ein Oldtimer Treffen auf den Hebriden stattfand. War lustig!
Der Laden ist übrigens auch die Tourist Office, der Supermarkt, der Crafts Shop und ein Cafè. Es lohnt sich mal anzuhalten und reinzugehen, um einen Break zu machen. Der Kuchen ist Homemade.
Ich fuhr zur Kirche von Rodel, der St. Clement's Church, wo es ein Schild gibt, daß nicht nur auf die Toiletten hinweist, sondern auch auf den großzügigen Spender. In Englisch und Gälisch - versteht sich! *g*
Die Kirche mit Graveyard, aus dem 16ten Jahrhundert, ist hübsch anzuschauen und scheint mit ihrem mittelalterlichen Baustil so gar nicht in diese verlassene Gegend zu passen. Gutes Fotomotiv, doch warum jeder Reiseführer darüber in Verzückung gerät, ist mir ein Rätsel. Vermutlich weil man nach einer Weile auf den Inseln ganz einfach froh ist, wenn man mal etwas anderes sieht, als die typischen grauen Häuser, die Schafe, Berge, Lochs, Strände und Wildnis. Da es nicht gerade viel Geschichtsträchtiges zu sehen gibt, werden Sie sich zwangsläufig dort wiederfinden.
Den ersten Abend übernachtete ich an einem Strand, an dem sich viele andere Camper, wie zu einem Open Air Happening, zusammengefunden hatten. Eine lockere freundlich Atmosphäre lag über den Dünen. Kinder spielten und fuhren mit dem Kanu durch die Brandung, es wurde gegrillt und gelacht. Wie immer bewunderte ich die - tja, wie soll man es nennen? - Hartnäckigkeit, mit der die Schotten die Temperaturen ignorierten.
Ich hatte mein Zelt aufgeschlagen, denn ich sehnte mich danach, mich zum Schlafen mal wieder auszustrecken :-)
In Leverburgh hatte ich mir im o.g. Laden eine Dose Cider gekauft, und so saß ich später in meinem Auto, hörte Musik, aß eine Dose Thunfischsalat (noch vom Lidl in Oban stammend) mit Brot, Butter, Cheddar, frischen Tomaten und trank den Cider dazu. Zum Abschluß gab's noch ein paar Brownies. Ein fast schon luxuriöses Abendessen!
In dieser Nacht fror ich nicht in meinem Schlafsack, aber es war auch nicht so stürmisch wie die ganzen Tage zuvor. Vielleicht lag es an Harris, vielleicht auch am Cider. ;-)
Doch als ich auf die Insel gewechselt hatte, war mir aufgefallen, daß es zwar immer noch windig war, doch dieser kräfteaufzehrende Wind, wie ich ihn von den Uists her kannte, gehörte endgültig der Vergangenheit an.
Am Samstag fuhr ich Richtung Tarbert. Wie üblich wollte ich zur Tourist Office (jede Office ist schwerpunktmäßig für die eigene Insel eingerichtet) und außerdem wollte ich wenigstens einen Pot Tee trinken. Denn das einzige, was mich am Morgen wirklich stört, ist: Kein schwarzer Tee zum Frühstück (natürlich mit Milch!). Mit Kaffee kann man mich übrigens jagen (andererseits ich liebe den Geruch von frisch gebrühtem Kaffee - doch der Geschmack *brrr*)
Tarbert ist Harris' Hauptstadt. Natürlich ist Tarbert auch ein Fährhafen. Dort legen die großen Autofähren der Calmac an, die von Uig (Skye) herübersetzen, aber es gibt auch eine Querverbindung nach Lochmaddy (North Uist).
In Tarbert hatte ich zum ersten Mal auf die Western Isles den Eindruck von: Wow, ein echtes kleines Städchen, mit kulturellem Leben und so. Und keine trostlose Ansammlung von grauen Häusern, wie ich sie auf den Uists erlebt hatte.
Es gab mehr als nur einen Lebensmittelladen, sogar so was wie Souvenirshops (putzig!) und auch wenn es kaum etwas wirklich erwähnenswertes gibt (außer dem Hotel, den Tankstellen und der öffentlichen Dusche bei der Tourist Office) ... irgendwie hat Tarbert einfach eine nette Atmosphäre -aber vielleicht lag es auch nur am Sonnenschein.
Nachdem ich einen superkurzen Bummel gemacht (viel gibt's ja nicht zu sehen), meinen Tee im Café an der Tourist Office getrunken und alle notwendigen Einkäufe erledigt hatte (der horrormäßige Sonntag stand ja bevor - später dazu mehr), schwirrte ich in Richtung Ostküste ab. Nicht ohne vorher noch mal Aufzutanken!
Ich fuhr die so genannte "Golden Road" entlang. Hier zeigt sich der Humor der Hebrideans. Die Golden Road wurde zunächst nur im Volksmund so genannt, da der Bau dieser Straße horrende Summen an (EU) Geldern verschwendet hat. Genauso gut hätte man die Straße mit Gold pflastern können - meinten die Einheimischen.
Der Witz an der Sache ist, daß die Straße nun auch ganz offiziell so getauft wurde.
Ich fuhr also diese ausgezeichnet ausgebaute Single Track Road entlang und genoß einfach das tolle Wetter und die schöne Landschaft. Überall finden sich in dieser Gegend Schilder, die auf den Verkauf von Strickwaren hinweisen - na ja, aber ich bin kein Fan von so was. Doch ein Tip für alle, die Harris Knitwear zu einem günstigen Preis erwerben möchten. Direkt vom Hersteller, so hat jeder etwas davon.
An diesem Tag unternahm ich kleine Wanderungen (Spaziergänge, seien wir ehrlich) übers Land und an der Küste entlang. - Es war wirklich klasse. Später suchte ich mir eine B+B Unterkunft, da ich am Sonntag unbedingt meinen Tee zum Frühstück haben wollte.
Sonntag auf den Äußeren Hebriden
Jeder Reiseführer warnt vor dem Sonntag. Denn alles ist geschlossen, absolut alles. Die Western Isles am Sonntag sind tote Hose pur. Und selbst das ist noch Untertreibung. Keine Tankstelle hat geöffnet, kein Cafè, rein gar nichts. Denn der Sonntag ist der Tag des Herrn. Beten und Büßen ist angesagt!
Aber nicht mit mir! Ich hatte vollgetankt, mir Essen gekauft und eine B+B für die Nacht organisiert - wegen dem Tee am Morgen - versteht sich ;-).
Also der Sonntag konnte kommen, ich war gewappnet!
Als ich Sonntags startete, stellte ich fest, daß kein Auto auf der Straße war. Hey, ich fand das Spitze! Alles war ruhig und nur ab und zu kamen einem Radler entgegen oder ganz selten mal ein Auto. Allesamt Touristen!
Ich fuhr gemütlich Richtung Tarbert, hielt an den Stellen, an denen ich tags zuvor nicht hatte halten können - wegen dem Gedränge am Straßenrand (null Parkplätze, so muß man jeden nur einigermaßen befahrbaren Seitenstreifen nutzen) - und ging über die geschlossene Golfanlage, um dieses Strandbild zu schießen. Hehe! Gott und dem Ihm geweihten Tag sei's gedankt! *g*
In Tarbert stellte ich - einigermaßen erschüttert - fest, daß selbst die öffentlichen Toiletten geschlossen hatten. *räusper!* Mein Tee hatte inzwischen das dringende Bedürfnis entwickelt, mich zu verlassen und ich keine Lust "wild" zu pinkeln (Hey, ich bin 'ne Frau! Wie sieht's denn aus, wenn ich meinen nackten Hintern mitten in der Stadt präsentiere - und das auch noch am Tag des Herrn! ;-)
Einigermaßen ernüchtert dachte ich kurz nach und fuhr zum Harris Hotel, wo ich tags zuvor dieses Schild gesehen hatte.

Ich ging rein, bestellte den nächsten Tee und entsorgte den alten ;-)
Also an dieser Stelle ein konkreter Tip von mir:
Sonntags ab ins Hotel, zum Essen, zum Trinken und - na ja, Sie wissen schon ... :-D
Hatte ich mich bisher die ganze Zeit nur auf South Harris herumgetrieben, fuhr ich wenig später Richtung North Harris, da ich am Abend auf Lewis übernachten wollte.
Da es erst Mittag war, beschloß ich an die Westküste von North Harris zu fahren, an einen Ort, der Hushinish heißt. Dort endet die Straße und ich war ziemlich fasziniert von dem Gedanken, an einen Ort zu kommen, wo tatsächlich die Straße endet. Bisher hatte ich so etwas noch nicht erlebt.
Die Straße ist ziemlich abenteuerlich, in einem hervorragenden Zustand zwar, doch teilweise mit total unübersichtlichen Kurven und ebenso unübersichtlichen Kuppen, so daß man nie weiß, was einen dahinter erwartet.
Die landschaftliche Schönheit der Strecke ist - ich wiederhole mich, ich weiß - atemberaubend. Am Ende der Straße erwartet dann einen ein toller Strand. Einige Sonntagsausflügler waren dort - kaum anzunehmen, daß es Einheimische waren.
Hushinish selbst besteht aus einer Handvoll Häuser. Dort am Strand traf ich auf Leicter, einen Engländer, der zusammen mit seinem Freund Duncan - Halbschotte und Rastafari - für einen gemeinsamen Freund ein Haus renoviert. Arbeitsurlaub sozusagen.
Ich verlebte dort einen lustigen Nachmittag mit den beiden, angereichert mit jeder Menge an Monty Phython Anekdoten und gemeinsamen Ablachen. Ich geriet schwer in Versuchung, an diesem Strand mein schon zur zweiten Gewohnheit gewordenes Autocamping durchzuziehen, einfach um einen geselligen Abend mit den Jungs zu verbringen.
Und auch wenn der später angebotene Schlafplatz ebenso verführerisch wie der Rum und das Bier waren, ich wollte weiter nach Lewis und - ganz ehrlich gesagt - ganz so vertrauensvoll bin ich dann doch nicht. Irgendwann jedenfalls eiste ich mich von den beiden los und fuhr die Strecke zurück um am Abend in Lewis einzufallen. ;-)
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