Marias Alptraum: Midges!
 
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Midges!

Horror der Highlands. Ein panikerfüllter Warnschrei hallt über Schottlands Campingplätze: Midges!

Wenige Sekunden später ist der Campingplatz wie ausgestorben. Verängstigte Menschen drängen sich in den Zelten, den Autos oder Camper, starren nach draußen und suchen das Zelt nach den kleinen fliegenden Plagegeistern ab.

Midges. Das ist die fiese kleine schottische Verwandtschaft der blutsaugenden Gemeinde der Moskitos. Was auch immer Sie bisher über Midges gehört haben: Vergessen Sie's!

In Wahrheit ist es noch schlimmer!

Irgendwie scheine ich beim Campen immer Glück gehabt zu haben. Jedenfalls verstand ich NIE das ausufernde Gestöhne und Gejammere der Leute auf den Zeltplätzen oder in den Jugendherbergen, wenn es aufs Thema Midges kam.

*Räusper*

Diese Seite ist also meine offizielle Abbitte. Glauben Sie mir, wenn ich sage:

Midges sind die Pest!

Sie sind die Vorboten der Hölle. Zumindest aber müssen sie die Strafe eines verdammt wütenden Gottes sein, der darüber hinaus noch einen wirklich boshaften Humor hat. Wie sonst käme man auf die Idee, solche winzige Plagegeister in die Welt zu setzen??

Midges, oder auch:
Culicoides Impunctatus - was wohl Latein ist und vermutlich so etwas wie "heimtückischer kleiner Bastard" bedeutet (oder so ähnlich ;-), kommen nur während der Sommermonate, besonders im Juli und August, in Schottland vor.

Die kleinen unscheinbaren Fliegen lieben windstille verhangene graue Tage; Sonnenschein, gutes Wetter aber auch Regen und Wind sind ihnen ein Greuel. Vermutlich sind dies die Gründe, warum ich bisher das Glück hatte, von einer näheren Bekanntschaft (bis auf einmal) verschont geblieben zu sein.

Denn entweder hatte ich gutes Wetter - oder es pißte und war windig ohne Ende.

Das Midge hat eine Größe zwischen 0,8 und 1,6 mm - plus/minus - um einige zehntel Millimeter will ich mich nicht streiten. Jedenfalls ist sie wesentlich kleiner als eine Frucht- oder Eintagsfliege. Tatsächlich ist sie so winzig, daß ich mir nicht mal vorstellen konnte, daß eine Bedrohung von ihr ausgeht.

Ich begegnete ihr das erste Mal irgendwann Ende der 80er, als ich bei Inverewe Gardens auf dem schottischen Festland zeltete. Vorher war tatsächlich der Warnruf "Midges" über den Campingplatz gehallt, mit oben beschriebenen Folgen! Ich war damals ziemlich irritiert gewesen, doch hatte mir nichts dabei gedacht.

Schön, die kleinen Viehcher waren lästig, wie sie einem ständig vorm Gesicht herumflogen, aber kann so ein winzig kleines Ding stechen??

Nöö, beschloß ich für mich, kann nicht, und ließ die kleinen Bastarde seelenruhig auf mir landen.

Wie sagt man so schön im Englischen:

Dead wrong!

Ungefähr eine halbe Stunde später stellte ich fest, daß die kleinen Viehcher doch stachen - und auch ich verschwand im Zelt.

Nun, das war schon lange her gewesen. So lange, daß ich es komplett und erfolgreich aus meinem Gedächtnis gestrichen bzw. als nette kleine Anekdote abgespeichert hatte. Ich hatte nur ein paar Stiche abbekommen und die damalige Population der Midges hatte sich in übersichtlichen Grenzen gehalten.

Nicht so in diesem Sommer auf dem Campingplatz von Lexdale.

Idyllisch und durch Bäume windgeschützt gelegen, hatten die Midges den Campingplatz zu ihrem Weidegrund erklärt. Und wir, die unschuldigen Camper, sollten nichts anderes als ihre Cocktailbar sein, an der man sich traf, um gemütlich einen zu schlürfen.
Yeah, Party time war angesagt!

Denn kaum daß es dämmerte, schwärmten die kleinen Monster in dunklen bedrohlichen Wolken aus dem kleinen Wäldchen und fielen in Horden über alles her, was nur einen guten Schluck warmes Blut versprach. Ich hatte keine Chance, ihnen zu entkommen, da ich mein Zelt aufbauen mußte.
Allerdings kann ich nun sagen, daß man, mit so einem Haufen hungriger Midges um sich herum, das Zeltaufbauen erstaunlich schnell hinter sich bringt ;-)

Nur wenig später saß ich im Auto, machte alle Midges platt, die mir gefolgt waren, und sah mir die Abwehrstrategien meiner Campingnachbaren an.

Ein paar schienen zu Kettenrauchern zu mutieren, da der Zigarettenrauch die Midges wohl auf Abstand hielt.
Von anderen wiederum hatte ich den Eindruck, daß sie sich mit Alkohol zuschütteten, um die Midges an einer Alkoholvergiftung sterben zu lassen, sollten sie es wagen, zuzustechen ...

Doch am skurrilsten waren die Leute, die mit einem tarngrünen engmaschigen Netz, das wie ein Minizelt über Kopf und Nacken lag, über den Campingplatz stapften und ... *räusper* ... denen eigentlich nur noch die Axt, ein Maschinengewehr, eine Kettensäge oder ähnliches in der Hand fehlte, um das Bild eines horrormäßig durchgeknallten Serienkillers perfekt zu machen. ;-)

Dank der Midges war ich auf einem Campinplatz voll von saufenden kettenrauchenden Serienkillern gelandet. *g*

Doch ich will dem Midge nicht unrecht tun! Denn, ganz ehrlich, die Kleine ist eigentlich nur ein Familienmensch ... ähem ... Familieninsekt, daß das Blut, das sie unter Lebensgefahr abzapft, zur Aufzucht ihrer Babies braucht.
Ja, liebe Leserin und Leser dieser Zeilen, die traurige Wahrheit ist:
Das Midge ist eine alleinerziehende Mutter, die mit dem gestohlenen Blut ihre noch nicht geschlüpften Jungen ernähren will.

Sollten wir da nicht freigiebig geben?
Sollten wir nicht anfangen, Vorurteile abzubauen?
Sollten wir nicht einfach die Ärmel hochkrempeln und sie zustechen lassen?

Ähem ...       Nö!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen auf Ihrem Trip durch Schottland:

                                Gute Reise!


... und den Midges:    Guten Appetit!

 

Ach ja, bevor ich es vergesse. Zum bestgehüteten Geheimnis der Highlands:

Dem Ursprung der Highlandtänze!


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