Marias Reisetagebuch Hebriden
 
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Ankunft auf South Uist


Per e-mail hatte ich mir das HopScochTicket No. 9 bei der Fährgesellschaft Caledonian MacBrayne reserviert. Ein Kombi-Ticket für die Strecke Oban-Lochboisdale (schottisches Festland, South Uist), Ardmaree - Leverburgh (Berneray, Harris) und Stornoway - Ullapool (Lewis, schottisches Festland).

Ich hatte meinen festen Abfahrtag, doch ansonsten wollte ich mir jegliche Option freilassen, besonders was das Herübersetzen von den Uists nach Harris und die Rückfahrt zum schottischen Festland anging - daher konnte ich nicht die Eingabemaske auf der Homepage der Calmac (Kurzform der Fährgesellschaft) nutzen, sondern mußte es per mail regeln.
Bild: Harris, Hebriden
 Harris, Äußere Hebriden

Alles klappte dann auch und war unkompliziert, freundlich und professionell. Splendid!

Mein Flug kam am Sonntagabend in Prestwick an (RyanAir - yep!), dort holte ich meinen Leihwagen ab und übernachtete B+Bmäßig in Troon. Nettes kleines Städchen, das vollständig dem Golfen verfallen ist.
Montags ging es dann weiter nach Oban. Leider nicht ganz unproblematisch, da ich auf der Strecke zwischen Tarbet und Ardlui am Loch Lomond einen Platten hatte. Hier mehr dazu.

Am Dienstagnachmittag ging meine Fähre nach South Uist. Der Tag war extem stürmisch und verregnet, und meine einzige Hoffnung war, daß es vor dem Festland - auf den Inseln dort draußen - nicht so verregnet sein würde.

Die Nacht zuvor hatte ich nirgends in Oban eine B+B Unterkunft bekommen (Alleinreisende sind echt angeschmiert!) und war schließlich auf den Campingplatz gefahren. - Ein wirklich trauriges Teil. Vermeiden Sie ihn, wenn es geht. Zum Zelten nicht gerade empfehlenswerte und die Service Einrichtungen (Dusche etc.) - na ja ...

Vielleicht lag es auch daran, daß der Campingplatz total überlaufen war, aber ich weiß, daß ich lieber noch vor Oban eine B+B Unterkunft suchen werde, oder sogar eine Übernachtung im Auto bevorzugen werde, als dort noch einmal zu zelten. - Ist es echt nicht wert.
Übrigens schlief ich in dieser Nacht tatsächlich für ein paar Stunden im Auto, da ich mich im Zelt fast zu Tode gefroren habe ...

Wußten Sie, daß man vom Zittern Muskelkater bekommen kann? Nein? Also ich weiß es jetzt! Tatsächlich habe ich Zähneklappernd (nein, kein Scherz!) und mit all meinen Klamotten am Leib im Schlafsack gelegen und vor Zittern und Klappern nicht einschlafen können. Nach zweieinhalb Stunden krabbelte ich ziemlich erschöpft ins Auto, wo ich dann für vier Stunden endlich Schlaf fand.

Ich startete recht früh, da ich meinen Reifen gewechselt bekommen wollte (das schottische Äquivalent zu Pit Stop heißt: Kwik Fit. In Oban in der Nähe des Tesco Markts zu finden, wo es übrigens einen schottischen Lidl gibt - yep!).
Na jedenfalls klappte auch das völlig unproblematisch und meinem Hebridentrip stand nun nichts mehr im Weg.

Im Tesco Markt frühstückte ich - ein guter Tip übrigens, wenn Sie ein günstiges (leckeres) schottisches Frühstück möchten: 8 Items für drei Pfund, individuell zusammenzustellen. Tee oder Kaffee kostet extra, aber nicht die Welt (70 p oder so). Und falls Sie das langweilige Continental vorziehen oder was anderes wollen - kein Problem!
Auch deckte ich mich im Tesco mit Lebensmittel und Wasser (!) ein, da ich nicht wußte, was mich auf den Hebriden erwarten und es dort sowieso teuerer sein würde - wegen der Insellage, muß ja alles herübergeschippert werden, und außerdem war kaum anzunehmen, daß es dort richtig große Märkte geben würde. Und ich tankte dort noch einmal auf.

Wind und Regen dieses Tages überzeugten mich schließlich, mir eine wind- und regenfeste Hose in Oban zu kaufen und mir zusätzlich noch eine gegen Feuchtigkeit einseitig isolierte Picknickdecke (Angebot!) zuzulegen - die sich beide im Nachhinein noch als echte Lebensretter erwiesen sollten ;-)


Die Überfahrt nach Lochboisdale dauert etwa 5 ½ Stunden. Es ist eine schöne Fahrt, die durch den Sound of Mull, quer durch die Hebridische See, an etlichen größeren und kleineren Inseln der Inneren Hebridengruppe vorbeiführt. Allein schon wegen der Fährfahrt hatte ich mich für das HopScoch No 9 entschieden.

Ich fahre nämlich gern Fähre. :-)

Ich mag es, wie betrunken durch die Gänge zu eiern, zu versuchen, nicht mit den Entgegenkommenden zu kollidieren, nichts vom Tee in der Tasse zu verschütten, auf Deck das Haar vom Wind zerzausen zu lassen, sich dabei gleichzeitig die Hände am Teebecher zu wärmen und im Rhythmus des Schiffs mitzuschwanken.

Der Geruch des Dieselmotors der Fähre vermischt sich mit dem - wohl aus irgendeinem gekippten Fenster der Küche - entkommenem Duft der Pommes - und über allem liegt dieser tiefe dunkle und beständige Klang der Schiffsmotoren, die einen mit einem kaum wahrnehmbaren Vibrieren Meile um Meile dem Ziel entgegen bringen.

*Seufz*
Ja, ich mag das Fährefahren.

Schließlich erreichten wir kurz nach 21 Uhr Lochboisdale.
Als ich das kleine Örtchen auftauchen sah war mein erster Gedanke: "Warum tu ich mir das nur an?"

Am Pier drängte sich eine kleine - und ziemlich verloren anmutende - Schar von Menschen. Ich sah sie und fragte mich, was die Leute dazu brachte, um diese Uhrzeit mit der Fähre nach Barra weiterzufahren? Eine Handvoll Autos standen auch schon bereit, um auf die Fähre zu fahren.

Wir, die wir unser Reiseziel erreicht hatten, fuhren von der Fähre und schnell zerstreute sich die kleine Autokolonne in der Ferne. - Ich hatte absolut keine Idee, wo ich übernachten sollte. Aber ich dachte mir, daß ich die Nacht am liebsten im Auto an einem Strand verbringen wollte (na ja, am Zweitliebsten - B+B wäre mir lieber gewesen ... aber das Geld ...).

Außerdem wollte ich nicht zu weit wegfahren, da ich am nächsten Tag nach Lochboisdale zurückkommen wollte, um mich in der Touristoffice mit Infos einzudecken. Leider hatte es in Oban nichts zum Thema Äußere Hebriden gegeben. :-(
So fuhr ich einfach drauf los und endete in Pollachar. Wo es einen Standing Stone, ein riesiges Inn und einen kleinen Strand gibt.
Ein VW Bus stand am Stand. Ich stellte mich daneben und entdeckte zwei Leute am Strand, ging hin und fragte, ob sie was dagegen hätten, wenn ich da stehenblieb, oder ob sie noch wegfahren wollten. Tatsächlich waren es die Leute vom VW Bus - ein schottisches Ehepaar aus der Nähe von Glasgow - die da ebenfalls übernachten wollten.

Klasse, dachte ich, dann würde ich ja nicht allein sein und ging nach einem kleinem Plausch zurück zum Auto.

Der Wind heulte, die Brandung rollte und der Regen trommelte aufs Blech. Ich kuschelte mich auf dem Rücksitz in meinen Schlafsack, warf mir zusätzlich die Decke, die ich mir in Oban zugelegt hatte, über, (denn ich hatte absolut keine Lust darauf zu frieren) und schlief total kaputt ein.

Dies also war dann meine erste Nacht auf den Äußeren Hebriden.

In Teil 2 und 3 gehts nach Süd und North Uist, Benbecula und Berneray.

 

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